Keltenpodcast – Episode 3

Die Latènezeit


Signation und Outro, Musik: Tin whistle by louis_audp, shared on Freesound, CC Attribution 3.0 license
Jingle, Musik: Irish dancing by tim.kahn, shared on Freesound, CC Attribution 3.0 license


Der Übergang von der Hallstatt- in die Latènezeit wird um das Jahr 450 vor Christus angesetzt. Der Wechsel zeigt sich beispielsweise darin, dass bisherige Wirtschaftszentren und Zentralorte verschwinden und andere Orte ihren Platz einnehmen. Umgekehrt gibt es auch viele Bereiche, in denen alles ohne klaren Kulturbruch weitergeht wie bisher. Und gerade für die Anfangszeit der Latènekultur fehlen uns genaue Belege in Ostösterreich und im südostalpinen Raum. Die Fundgegenden erstrecken sich in dieser Zeit unter anderem auf Frankreich, die Schweiz, Norditalien, Deutschland, Tschechien, Österreich, die Slowakei, Slowenien und Ungarn, und darüber hinaus bis auf die Britischen Inseln und nach Osten bis nach Bulgarien und vereinzelt bis Kleinasien. Es gibt signifikante Unterscheidungen zum Beispiel zwischen der mährisch-niederösterreichischen-westungarischen Latèneprovinz, dem inneralpinen Latène oder gar den rätischen Kulturen in Westösterreich. Um nach dem Einteilungssystem der Archäologie wird auch diese Epoche in weitere Phasen aufgesplittet: in eine Früh-, Mittel- und Spätlatènezeit.

Die Latènekultur geht einher mit neuer Mode und einem neuem Kunststil, dem sogenannten Latène-Stil. Auch dieser Stil ist nicht in allen Regionen gleich stark oder in völlig identischer Ausführung verbreitet. Weitere Neuerungen sind etwa Keramik, die mithilfe einer schnell rotierenden Drehscheibe produziert wird und die Verwendung von Münzen als Zahlungsmittel. Am Ende der Latènezeit entstehen die sogenannten Oppida: neue, befestigte Zentralorte, die oft schon stadtartigen Charakter haben, zum Teil sehr großräumige Ausmaße annehmen und sich meist an einer topographisch wichtigen Lage befinden. Beispiele für Oppida in Österreich sind der Burgberg bei Schwarzenbach oder der Braunsberg bei Hainburg an der Donau in Niederösterreich. In Oberösterreich der Gründberg bei Linz oder in der Steiermark der Frauenberg bei Leibnitz. Ab den Eroberungen durch die Römer beginnt ein Romanisierungsprozess, weitere urbane Veränderungen folgen.

Nehmen wir als Beispiel den Dürrnberg. Vom Salzachtal steigt das Gelände des Dürrnberg steil an und mündet auf 770m Höhe in eine Hochebene. Es gibt auf dieser Hochebene allerdings keine größere ebene Fläche die für eine Zentralsiedlung geeignet gewesen wäre. Die Arbeits- und Lebensbereiche sind aufgrund der topografischen Lage am Dürrnberg verteilt. Im Ramsautal befand sich eine Gewerbesiedlung mit Blockwerkbauten, langgestreckte und rechteckige Gebäude. Hier wurde die Bearbeitung von Bronze und Eisen nachgewiesen und das sind unsere Hinweise auf eine intensive, gewerbliche Tätigkeit. Auch einen möglichen Kultplatz mit regelmäßigen Opferungen spezieller Keramik könnte es gegeben haben. Am Dürrnberg startet der Salzabbau in der späten Hallstattzeit. Bald darauf gibt es im nahegelegenen Bergwerk in Hallstatt einen Erdrutsch. Natürlich bot der Salzabbau immer noch die Möglichkeit für Reichtum. Und deshalb dürfte es auch eine Zuwanderung von Menschen aus Hallstatt an den Dürrnberg gegeben haben, die Technologie und Bergbau Wissen mitbrachten.

Bis in die Spätlatènezeit, also bis ins 2. Jh. vor Christus, wird auch das Salzbergwerk am Dürrnberg betrieben. Das Salz wird dabei in einem Stollensystem abgebaut, das 4,5km lang und 280m tief ist. Und wieder hat uns das Salz einzigartige Fundstücke erhalten: Gewebereste, Werkzeuge und sogar zwei Bergmannsleichen – auch diese Mumien wurden wieder bestattet. Neben dem Bergwerk gibt es auch mehrere, ausgedehnte Gräberfelder, die einen Zeitraum von ca. 500 Jahren abdecken. Hier sieht man durch die Beigaben einen besonders schönen Übergang von der Hallstatt- zur Latènezeit. Die primäre Bestattungsart ist die der Körperbestattung. Wie auch im Gräberfeld von Hallstatt zeigen sich auch am Dürrnberg in den Gräbern Schwerter, allerdings andere als in der Hallstattzeit. Es werden nun auch Schutzwaffen den Gräbern beigegeben, also Helme und Schilde.

Daneben finden wir Schmuck wie Halsringe und Gewandnadeln, sogenannte Fibeln, in neuem Stil und erstmals scheibengedrehte Keramik. Einer der berühmtesten Funde stammt aus dem Jahr 1932: eine lokal produzierte Schnabelkanne, eine Art Weinkrug nach etruskischem Vorbild, datiert in das 5. Jh. v. Chr. Es gibt zahlreiche ähnliche Exemplare von Schnabelkannen, wie zum Beispiel aus Basse-Yutz in Frankreich. Aber es gibt für die Schnabelkanne vom Dürrnberg nur ein genaues Gegenstück aus wahrscheinlich derselben Werkstatt: vom Glauberg in Deutschland. Ein weiteres einzigartiges Stück sind die Reste eines Hutes aus Birkenrinde. Die Restaurierung zeigt, dass der Hut kegelförmig und mit Stempelmustern verziert ist. Auch hier zeigen sich Vergleiche zu Deutschland, etwa zum Grab von Hochdorf in Baden-Württemberg bzw. nach Hirschlanden, wo eine Statue dieselbe Art von Kopfschmuck trägt. Nicht nur Importe aus Etrurien, sondern auch Bernstein aus dem Osten, Korallen und Elfenbein, Gold und Glas sind in den Gräbern zu finden. Der Dürrnberg muss in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht wichtig gewesen sein.

So erreicht der Zeitrahmen der Latènezeit am Ende eine Spanne von fast 500 Jahren. Und während der Übergang, zwischen der älteren Hallstattzeit zur jüngeren Latènezeit ohne starken Kulturbruch vonstattengeht, gibt es im Laufe der unterschiedlichen Phasen in den verschiedenen Regionen der Latènekultur immer wieder Neuerungen und Weiterentwicklungen bis die materielle Kultur schließlich von einer römischen oder germanischen Materialkultur übernommen wird.

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